
Sabine Timoteo auf der Erzählreise zu sich selbst
Sabine Timoteo hat viele Gesichter, ist Ballettänzerin, Köchin, Mutter, Schauspielerin, und hat doch nur eines: ihr eigenes.
“Ah, die deutsche Schauspielerin. Ja, die ist interessant” – Sabine Timoteo, Jurymitglied des Zurich Film Festivals, ist keine Unbekannte. Für ihre erste grosse Hauptrolle in Philipp Grönings Spielfilm “L’amour, l’argent, l’amour” erhielt sie im Jahr 2000 den Bronzenen Leoparden von Locarno und in Solothurn den Schweizer Filmpreis. 2003 erhielt sie für ihre Rolle im TV-Film “Die Freunde der Freunde” den renommierten Adolf-Grimme-Preis.
Tanzte aber auch an der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf, gibt sich zudem als Köchin aus. Ob das wirklich stimmt? Oder ist es nur eine spezielle Form des Kokettierens? Dem Namen nach könnte sie japanische Wurzeln haben. Sie ist eine Unbekannte.
Wie sie wohl sein wird? Zuallerst einmal: pünktlich. An einem Filmfestival, wo die Nächte lang sind, ist dies keine Selbstverständlichkeit, umso mehr als sie gesundheitlich “nicht zwäg” ist.
Eine geborene Hagenbüchle
Von ihr gebe es nicht allzu viel zu erzählen, erklärt sie mit Bestimmtheit, von ihrer Arbeit schon eher. Bereitwillig korrigiert sie aber den auf dem Tischchen liegenden 13-zeiligen Lauf ihres Lebens, begonnen 1975 (und nicht etwa 1976) in Bern. Keine Deutsche also. “Ich bin in Bern geboren, aber in den USA und in Lausanne aufgewachsen”, fängt sie ihre Geschichte zu erzählen an. Nicht geradlinig, sondern in Kreisen gewissermassen, von denen jeder etwas weiter in die Tiefe dringt. Irgendwann erfahren wir so, dass Timoteo nicht etwa ein Künstlername ist, sondern angeheiratet. Ob es “den Vater meiner zwei Kinder” noch gibt, bleibt vorderhand offen. Dafür fällt plötzlich ihr Mädchenname: Hagenbüchle, ein altes Thurgauer Geschlecht.
Tänzerin als Kindheitswunsch
“Schon als kleines Kind wollte ich Tänzerin werden”, findet die Geschichte ihre Fortsetzung. “Meine Eltern waren aber nicht unbedingt dafür. Als wir von New Mexico nach Lausanne umzogen, musste ich deshalb mit fünf Jahren zuerst Französisch lernen. Erst dann durfte ich ins Ballett.”
Als Tänzerin ist sie gut, die reine Bewegung, Erfolge stellen sich ein. An der Gala des Prix de Lausanne darf sie sogar eine eigene Choreographie tanzen. Trotzdem kommen bei ihr Zweifel auf, ob Tanzen der richtige Weg für sie sei. Als Irina Mach einen Dokumentarfilm zur Schüler-Meister-Problematik dreht und dabei ausgerechnet Sabine Hagenbüchle, die junge Absolventin der Schweizerischen Ballettberufsschule in Zürich, in den Mittelpunkt rückt, wird dieser klar: Es gibt noch eine andere Möglichkeit des Geschichten-Erzählens.
Das Engagement an der Deutschen Oper am Rhein bei Heinz Spoerrli wird zum Wendepunkt: “Ich blieb nur zwei Monate dort. Für mich persönlich habe ich keine Zukunft mehr im Tanzen gesehen. Dead end.”
Um zu lernen, “nach innen zu gucken”, geht sie mit der “Compagnie Ariadone” der Japanerin Carlotta Ikeda nach Frankreich und danach auf Welttournee – aus dem klassischen Tanz ist Butoh geworden, eine Zwischenstufe allerdings nur ihrer Suche nach der richtigen Erzählform.
L’amour, l’argent, l’amour
In dieser Zeit besucht sie in München auch einen Workshop für Schauspieler. “Plötzlich kommt Philipp Gröning auf mich zu, er wolle mit mir zusammenarbeiten. Eigentlich sei er kein Schauspieler, sondern Drehbuchautor und Regisseur.” So entsteht 1996/97 “L’amour, l’argent, l’amour”. Weitaus mehr Liebe zur Sache als Geld: Der Film kommt deshalb erst 2000 in die Kinosäle, findet dort aber sofort grosse Beachtung.
Harmonie in der Küche
Mit diesem Film ist für Sabine Hagenbüchle die Karriere als Schauspielerin abgeschlossen, obwohl sie in Berlin auch in einigen Kurzfilmen ihr Talent bewiesen hat. Wieder muss sie dem Dead End entfliehen, die langen Haare werden abgeschnitten, sie geht nach Bern, an die Aare, ins stattliche Burger-Restaurant “Harmonie” nahe der Kirchenfeldbrücke. Dort erhält sie von Walter Aebischer eine Lehrstelle als Köchin. Und gleich am allerersten Arbeitstag lernt sie ihren Mann kennen.
Ein Restaurantbesucher? Mitnichten. Ein kleiner, keuchender, verschwitzter, an ihr vorbei joggender Indianer aus der peruanischen Amazonasgegend. “Als ich ihn sah, musste ich einfach lachen. Und wusste gleichzeitig: Der ist was Besonderes.” Man kann sich gut vorstellen, wie sich nun Herr Timoteo Runde für Runde ins Herz der Köchin, gewesene Ballettänzerin und Schauspielerin, vorkämpft. Mit Erfolg.
Seinen Vornamen erfahren wir, bei allen journalistischen Tricks, ebenso wenig wie den ihrer beiden Kinder. Ein gewisses Geheimnis muss sein, eine nicht offenbarte Privatsphäre. Deshalb wohl ist die Familie auch noch nach acht Jahren beisammen. Nicht allzu oft zwar, denn Sabine Timoteo ist mittlerweile zur gefragten Schauspielerin avanciert, aber wenn, dann voll und ganz. “Ich brauche dieses Doppelleben”, so die dreissigjährige Bernerin. “Das eine nährt das andere.”
Es ist alles da
Obwohl sie ein eigentliches Sprachentalent ist, hat Sabine Timoteo bislang nur im deutschsprachigen Raum gespielt. Ist Hollywood für sie kein Thema, kein Lebenstraum? “Aussschliessen möchte ich dies keineswegs, aber Hollywood ist kein Ziel, das ich anstrebe. Ich wäre jedenfalls nicht bereit, dafür in die Oberflächlichkeit aufzutauchen. Über die künstlerische Zukunft mache ich mir nicht viel Gedanken. Ich lese gerne Drehbücher, überlege mir, ob mir die Geschichte gefällt und ob ich etwas beitragen könnte, sie gut zu erzählen. Mittlerweile gibt es auch Regisseure wie etwa Christian Petzold, mit denen ich gerne weiter arbeiten möchte. Deshalb brauche ich nicht weit zu suchen: Es ist alles da.”
Sabine Timoteo bleibt eine Unbekannte. Aber es lohnt sich, ihren Weg in die zunehmende Bekanntheit mitzuverfolgen, sich näher mit ihr bekannt zu machen. Es ist alles da. Sie hat die Grösse zur Grösse.
Ein Bericht von Andreas Schiendorfer Redaktion emagazine, Credit Suisse





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Siegfried
Ich habe den Film “der freie Wille” schon gesehen und diese Schausplerin eigentlich tief...
steffen
Hi Marc, was ist Dir denn für eine Laus über die Leber gelaufen? Bist Du der Administrator der Website? Dein...
Alex
Hallo Frau Timoteo, ich kann mir zwar nicht vorstellen, das Frau Timoteo sich dieses Geschreibsel hier selbst...
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sie hat recht!!!
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steffen..kleiner harz 4 kid was hast du genommen? das ist hier kein forum für kids..bitte such dir eine andere...
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